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DPR Prüfungsschwerpunkte 2020

Business Insight -

Auf der 11. Jahrestagung „Bilanzkontrolle und Abschlussprüfung – Bilanzierung, Berichterstattung und Enforcement in Recht und Praxis" des Deutsche Aktieninstitut e. V. (DAI) hat die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung e. V. (DPR) traditionell ihre Prüfungsschwerpunkte für die Jahresfinanzberichte 2019 vorgestellt. Die am 18. November 2019 verkündeten fünf Prüfungsschwerpunkte umfassen dabei, wie gewohnt, die drei von der europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA – European Securities and Markets Authority) definierten und bereits am 22. Oktober 2019 veröffentlichten Bereiche sowie zwei lokale Ergänzungen der DPR.

Demnach sollten kapitalmarktorientierte Unternehmen bei der Erstellung ihrer IFRS-Abschlüsse 2019 die folgenden Schwerpunktthemen verstärkt berücksichtigen:

1.    Ausgewählte Aspekte der Anwendung von IFRS 16  Leasingverhältnisse:

Dieser Themenbereich erklärt sich aus der verpflichtenden Erstanwendung des IFRS 16 Leasingverhältnisse für Geschäftsjahre die am oder nach dem 1. Januar 2019 beginnen. Die europäischen Enforcer erwarten, aufgrund der noch nicht vorhandenen Erfahrungswerte mit den neuen Anforderungen des IFRS 16, eine erhöhte Fehleranfälligkeit. Die ESMA empfiehlt den Unternehmen, die Diskussionen im Rahmen der IFRS-Interpretationen aufmerksam zu verfolgen. Typische, im Rahmen der DPR-Prüfung anzufordernde Unterlagen zur Implementierung des IFRS 16 wären zum Beispiel Fachkonzepte, die Konzernbilanzierungsrichtlinie, das Ergebnis der Vertragsanalyse sowie das Vertragsinventar, die Dokumentation wesentlicher Umstellungseffekte oder auch die Berichterstattung an Vorstand und Aufsichtsrat.

2.    Follow-up von ausgewählten Aspekten der Anwendung von IFRS 9 Finanzinstrumente bei Kreditinstituten und IFRS 15 Erlöse aus Verträgen mit Kunden bei Nicht-Finanzinstituten:

IFRS 15 und IFRS 9 stehen weiterhin im Enforcement-Fokus. Die ESMA erläutert, dass die in den Vorjahren definierten Erwartungen an Umsetzung und Anwendung der beiden Standards sowie an Verständlichkeit der diesbezüglichen Anhangangaben unverändert Gültigkeit haben. Die Erfahrungen aus dem vergangenen ersten Anwendungsjahr haben gezeigt, dass Qualität, Konsistenz und Kohärenz der bereitgestellten Informationen weiter verbessert werden müssen. Es werden einige spezifische Themen des IFRS 9 für Kreditinstitute und des IFRS 15 für Industrieunternehmen im Detail aufgeführt und klargestellt. 

3.    Ausgewählte Aspekte der Anwendung von IAS 12 Ertragsteuern (einschließlich der Anwendung von IFRIC 23 Unsicherheit bezüglich der ertragsteuerlichen Behandlung):

Im Speziellen wird auf Ansatz, Bewertung und Ausweis von aktiven latenten Steuern auf Verlustvorträge eingegangen sowie auf die in diesem Zusammenhang erfolgten Veröffentlichungen der ESMA verwiesen. Des Weiteren erfolgen konkretisierende Hinweise zur Anwendung des IFRIC 23 und zu den Änderungen des IAS 12 aus den jährlichen Verbesserungen der Jahre 2015 bis 2017.

Wie in den Vorjahren wird nochmals hervorgehoben Angaben zu möglichen Auswirkungen des Brexit auf die Aktivitäten und Finanzinformationen offenzulegen. Weiterhin sind Anhangangaben zu den Auswirkungen eines neuen Referenzzinssatzes auf den Abschluss (Amendments to IFRS 9 (and IAS 39): Financial Instruments - Interest Rate Benchmark Reform) prüfungsrelevant.

Auch wenn von der ESMA ein Hinweis auf die Berücksichtigung der spezifischen Anforderungen an die nicht-finanzielle Berichterstattung erfolgte, hat die DPR im Rahmen der DAI-Jahrestagung nochmals betont, dass sie kein Mandat zu deren Prüfung hat. Die nicht-finanzielle Berichterstattung ist demnach weiterhin nicht Bestandteil der DPR-Prüfungen. 

Die DPR hat beschlossen, ihre Prüfung der Jahresfinanzberichte 2019 um die folgenden zwei nationalen Themenschwerpunkte zu erweitern:

4. Wertminderungstest beim Geschäfts- oder Firmenwert sowie bei immateriellen Vermögenswerten mit unbestimmter Nutzungsdauer, insbesondere Marken (IAS 36):

Der Fokus soll hier, neben dem Geschäfts- oder Firmenwert, vor allem auf Marken liegen. Wesentliche Punkte können demnach die Bestimmung der sachgerechten Ebene des Wertminderungstests sowie die Ermittlung des Nutzungswerts mit Hilfe plausibler Annahmen und unter Berücksichtigung des speziellen Risikos des Vermögenswertes beziehungsweise der zahlungsmittelgenerierenden Einheit (ZGE) sein. Zudem führt die DPR sowohl die Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts abzüglich der Kosten der Veräußerung aus der Perspektive eines unabhängigen Marktteilnehmers und unter Beachtung der Fair-Value-Hierarchie, als auch die Auswirkungen von IFRS 16 auf den Wertminderungstest beim Geschäfts- oder Firmenwert als mögliche Untersuchungsschwerpunkte auf.

5. Konzernlagebericht (§ 315 HGB):

Mit diesem Prüfungsschwerpunkt zieht die DPR die Parallele zum ergänzenden Hinweis der ESMA auf eine übergeordnet konsistente Berichterstattung. Konkret wird auf eine konsistente und transparente Darstellung der Auswirkungen des IFRS 16 auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie auf Darstellung und Berechnung der bedeutsamsten Leistungsindikatoren geachtet.

Auch wenn damit zu rechnen ist, dass sich die kommenden DPR-Prüfungen in 2020 auf die oben genannten Themenschwerpunkte fokussieren, so ist jedoch nicht auszuschließen, dass größere oder geschäftsunübliche Transaktionen und bewertungsintensive sowie in hohem Maße ermessensbehaftete Sondersachverhalte unverändert die Aufmerksamkeit der DPR-Prüfer auf sich ziehen werden. In diesen Fällen wird zu einer vollumfänglichen und klaren Dokumentation geraten, um der DPR den Bilanzierungssachverhalt anschaulich widerzuspiegeln und zu einem für alle Beteiligten effizienten Prüfungsprozess zu verhelfen.

Detaillierte Informationen zu den übernommenen ESMA Prüfungsschwerpunkten finden Sie unter: https://www.esma.europa.eu/sites/default/files/library/esma32-63-791_esma_european_common_enforcement_priorities_2019.pdf

Die Prüfungsschwerpunkte der DPR sind abrufbar unter: https://www.frep.info/pruefverfahren/pruefungsschwerpunkte.php 

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Ansprechpartner
 Dr. Christian Herold Partner