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Auswirkungen der Corona-Krise auf die IFRS Rechnungslegung

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Der Ausbruch der Corona-Pandemie und die zu deren Eindämmung ergriffenen Maßnahmen in vielen Ländern stellen den betrieblichen Alltag zahlreicher Unternehmen auf den Kopf. Die staatlichen Maßnahmen sowie die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung haben vielfältige Auswirkungen auf die Finanzberichterstattung in IFRS-Konzernabschlüssen. Einige aktuelle Schwerpunkte möchten wir nachfolgend kurz darstellen.

Unternehmen müssen gemäß IFRS 9 prüfen, inwieweit sich die Corona-Krise auf die (Ausfall-) Risiken für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen auswirkt; diese unterliegen verpflichtend dem sog. vereinfachten Wertminderungsmodell.

In diesem Zusammenhang ist die Integration der „forward looking information“ von besonderer Bedeutung, da die historischen Verlustraten zum aktuellen Zeitpunkt nicht die erwarteten zukünftigen finanziellen Verwerfungen widerspiegeln. Auf Basis von impliziten Ausfallwahrscheinlichkeiten, ermittelt über Credit Default Swap Spreads, sowie unter Zuhilfenahme synthetischer Ratingverfahren lassen sich die erwarteten Effekte auf Basis objektivierbarer Daten effizient ermitteln. Dieses Verfahren bietet den Vorteil, die erwarteten Verluste ohne subjektive und damit schwer zu plausibilisierende Managementschätzungen zu bestimmen und sorgt damit für Prüfungssicherheit.

Umsatzerlöse dürfen nur dann erfasst werden, wenn das Unternehmen erwartet, dass der Kunde seinen Verpflichtungen bei Fälligkeit nachkommt, d. h. wenn der Erhalt der Gegenleistung wahrscheinlich ist. Wird die Gegenleistung hingegen nicht als wahrscheinlich erachtet, dürfen solange keine Umsatzerlöse aus dem Vertrag erfasst werden, bis entweder die gesamte Gegenleistung vom Kunden erhalten oder der Vertrag beendet wurde und bis dahin erhaltene Zahlungen nicht zurückerstattet werden müssen. Bei vereinbarten positiven oder negativen variablen Gegenleistungen (wie beispielsweise Leistungsprämien oder Verzugs- und Vertragsstrafen) muss der Erhalt der variablen Gegenleistung sogar hochwahrscheinlich sein, damit es nicht zu einer „signifikanten Stornierung“ der kumulierten Erlöse kommt. Dies ist durch das Unternehmen fortlaufend zu beurteilen.

Aktienkurseinbruch, sinkende Nachfrage und Verkaufspreise oder Produktionsstopps sind Beispiele für sog. „Triggering Events“ i.S.d. IAS 36. Der Standard verlangt beim Vorliegen bestimmter Indikatoren die Durchführung einer anlassbezogenen Werthaltigkeitsprüfung für nicht-finanzielle Vermögenswerte (v.a. Anlagevermögen). Das Management sollte hierbei nicht nur die kurzfristigen Effekte, sondern vor allem die langfristigen Folgen der Krise berücksichtigen. Als best practice erweist sich hier, mittels einer Szenarioanalyse künftige Auswirkungen auf die Cash-Flows abzuschätzen, anstatt pauschale Risikozuschläge bei den Kapitalkosten vorzunehmen. Es gilt zu beachten, dass in einem Zwischenabschluss durchgeführte Goodwill-Abschreibungen gem. IFRIC 10 auch zum Jahresende nicht wieder aufgeholt werden dürfen.

Die „Weiterleitung“ des Kurzarbeitergelds an die Arbeitnehmer stellt aus Sicht des bilanzierenden Unternehmens lediglich einen durchlaufenden Posten dar, so dass in der Gesamtergebnisrechnung weder ein entsprechender Aufwand noch ein Ertrag auszuweisen ist. Etwas anderes gilt für die Erstattungen der vom Arbeitgeber zu tragenden Sozialversicherungsbeiträge (soweit auf die "Ausfallstunden" bezogen). Dabei sind die Erstattungen der Agentur für Arbeit als erfolgsbezogene Zuwendungen gemäß IAS 20.29ff. in den sonstigen Erträgen oder als Abzug von den Personalaufwendungen auszuweisen. Darüber hinaus sind die Anhangangaben nach IAS 20.31 und 20.39 zu beachten.

Unserer Erfahrung nach erwarten Investoren, Wirtschaftsprüfer und Regulatoren neben einer validen Einschätzung zu den bilanziellen Folgen der Pandemie vor allem Angaben zu den zugrundeliegenden Schätzungsunsicherheiten und finanziellen Risiken. Weitere Themenstellungen im Rahmen der Finanzberichterstattung sind in der Grafik (s. o.) aufgelistet: Die vorstehend genannten und zahlreiche weitere Themenstellungen gilt es neben den gesundheitlichen, ökonomischen und organisatorischen Herausforderungen der Pandemie zu meistern. Die FAS steht dabei mit Rat und Tat zur Seite.

Autoren: Dominik Konold, Stuttgart und Michael Stocker, München