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Banken Bashing 4.0

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Es scheint ja gerade angesagt zu sein, jeden neuesten Trend mit der Endung „4.0“ zu versehen. Am bekanntesten wohl die Industrie 4.0, will heißen die Vernetzung der Industrie. Gleichwohl scheitern die meisten vermutlich schon daran zu definieren was denn Industrie 1.0, (Massenproduktion durch Maschinen um etwa 1800), 2.0. (Elektrizität, Akkord und Fließband Anfang des 20. Jahrhunderts) und 3.0 (Automatisierung durch IT in den 1970er Jahren) waren. Bei anderen 4.0 Trends fehlt es manchmal gänzlich an den 1.0 - 3.0s. Ganz anders beim Banken Bashing 4.0. Hier könnte es vermutlich auch 40.0 heißen, wird doch in regelmäßigen Abständen auf die Kreditinstitute draufgehauen. Auszugsweise hierzu Henry Ford: „Sie wollen einen Kredit? Zeigen Sie uns, dass Sie ihn nicht benötigen, und Sie bekommen ihn.“ oder fast schon legendär Berthold Brecht „Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.“.

Also steht jetzt mal wieder Banken Bashing auf dem Programm, nachdem es in letzter Zeit scheinbar etwas ruhiger war. Aus meiner Sicht der traurige, aktuelle Höhepunkt: Die Deutsche Bank, die sich mit einer Schadensersatzforderung aus den USA in Höhe von 14 Mrd. US Dollar konfrontiert sieht. Mal abgesehen davon, dass Goldman Sachs in einem ähnlich gelagerten Fall die Forderung von 15 auf 5 Mrd. US Dollar runterverhandeln konnte, wird in Deutschland sofort die Debatte um die staatliche Rettung der Deutschen Bank geführt oder – Höhepunkt der Skurrilität – den Kauf durch die Türkei (eines der am höchsten verschuldeten Schwellenländer mit ganz anderen Themen wie den Kauf einer ausländischen Großbank). Gleichwohl wird der Ruf nach staatlicher Unterstützung seitens der Bank dementiert, man mag es glauben oder eben nicht. Traurig genug, dass aus der letzten Bankenkrise nichts gelernt wurde, hat doch die Deutsche Bank genügend Aktionäre und nachrangige Anleihegläubiger, die doch bitte zuerst einen Beitrag dafür leisten, bevor die Bankverluste wieder „vergemeinschaftet“ (wäre „sozialisiert“ das bessere Wort?) werden. Dass gleichzeitig eine Commerzbank ca. 20 % ihrer aktuellen Belegschaft entlässt, um wieder zur Profitabilität zurückzukehren, zeigt zumindest, dass es auch Banken gibt, die bereit sind einen anderen Weg zu gehen. 

Noch skurriler ist dann die Gesamtsituation, betrachtet man die amerikanischen Banken: Diese schreiben Rekordgewinne, als hätte es eine Finanzkrise nie gegeben. JP Morgan könnte mit seinem 2015er Jahresergebnis die Deutschen Bank glatt kaufen! Aber wie ist das möglich, haben doch auch die amerikanischen Banken die Herausforderung des Niedrigzinsumfeldes zu meistern? Das stimmt, aber nicht diejenigen der Regulatorik (Basel III, Basel IV) – hier herrscht in Amerika wiedermal ein entspannter Umgang mit der Kreditvergabe. Autokredite und Studienschulden sind auf einem Niveau über dem Jahr 2007, bei den Autokrediten ist inzwischen jeder 20. notleidend. Dann lässt es sich natürlich leichter Gewinne machen. Schwierig wird es erst, wenn es mit der Rückzahlung Probleme gibt. Aber hier kann ja dann wieder der Staat einspringen. Eine spannende Frage aber bleibt: In welchen Büchern stehen denn am Ende die Kredite? Sicher ist für mich nur, dass sie bestimmt schon in Form von Verbriefungen weitergereicht wurden. Bleibt nur offen: Wer hält am Ende die heiße Kartoffel in der Hand?

In diesem Sinne, wenn Sie das nächste Mal über die Banken schimpfen, denken Sie daran, dass Sie auch den Richtigen erwischen, vielleicht ist es ja jemand, den Sie bisher noch nicht auf der Liste hatten!

Bis bald

Ihr

Ingo Weber