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Bella Italia

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Haben Sie Ihren Urlaub schon gebucht oder gehören Sie vielleicht zu den Glücklichen, die bereits im Urlaub sind? In Baden-Württemberg dürfen wir ja noch eine Woche „schaffen“, getreu dem schwäbischen Motto „Erst Warten, dann Starten!“.

Wenn es nach Italien geht, meine eventuell etwas apokalyptische Anregung: Nehmen Sie Bargeld mit. Wie komme ich nun schon wieder darauf?

Nächsten Freitag (29. Juli) wird wieder einmal das Ergebnis eines Stresstests für die europäischen Banken bekanntgegeben.

"Europa ist schwer krank", sagt David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, in diesem Kontext. Er denkt dabei an die eigene Branche, vor allem sorgt er sich um Italiens Banken. Ihre Kapitalprobleme bedrohen die Stabilität des ganzen Kontinents. In den Bilanzen der italienischen Geldinstitute sollen sich Problemdarlehen von insgesamt 360 Milliarden Euro auftürmen, was "eher die Untergrenze" sein dürfte. Und leider könnten von Italien aus, dank der internationalen Verflechtungen, auch Ansteckungen auf andere europäische Länder übergehen. Mit 250 Milliarden Euro sollen die französischen Finanzinstitute an der Spitze der Gläubiger stehen, die Schulden an deutsche Geldhäuser belaufen sich auf 80 Milliarden Euro.

Spontan würde man nun denken, dass sich dieses Problem durch den italienischen Staat oder die Frankfurter Gelddruckmaschine namens EZB lösen lässt. Aber inzwischen ist die sogenannte EU-Bankenrichtlinie in Kraft. Diese EU-Richtlinie sieht vor, dass Institute, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken, keine Staatshilfen erhalten dürfen. Damit soll verhindert werden, dass immer wieder das Geld von Steuerzahlern für die Rettung von Banken aufgewendet wird. Eigentlich eine gute und sinnvolle Regelung, die verhindert, dass am Ende wieder der Steuerzahler für die Risiken der Banken aufkommen muss und Eigentümer und Anleihegläubiger zumindest vermeintlich ungeschoren davonkommen.

Allerdings ist es in Italien so, dass viele der Anleihegläubiger die Italiener selbst sind, darunter auch ein großer Teil der Rentner. Und im Herbst steht eine bedeutende Volksabstimmung in Italien an, die mit dem Schicksal des Ministerpräsidenten Renzi verknüpft ist. Die Alternative ist der Komiker (!!!) Beppo Grillo mit seiner 5-Sterne-Bewegung. Will man also wirklich, den Rentnern ihre Bankguthaben und Bankanleihen zur Sanierung der Banken streichen und damit das Risiko eingehen, dass diese sich auch der Protestbewegung zuwenden? Man darf gespannt sein.

In diesem Sinne, schauen Sie sich das Ergebnis des Stresstest am 29. Juli an, bevor Sie in den Urlaub fahren, legen Sie ein paar Short-Positionen in ihr Depot, aber beachten Sie das Kontrahenten-Risiko!

Bis bald

Ihr

Ingo Weber