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Finalisierung der EZB-Leitfäden zu ILAAP

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EZB veröffentlicht die finale Fassung der Leitfäden für die internen Prozesse zur Beurteilung der Angemessenheit des Kapitals und der Liquidität (ICAAP/ILAAP).

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 09. November 2018 die erwarteten Endfassungen ihrer Leitfäden zu ihren Erwartungen hinsichtlich der bankinternen Prozesse zur Sicherstellung einer angemessenen Kapital- bzw. Liquiditätsausstattung veröffentlicht.

Im Vergleich zu den am 02. März 2018 veröffentlichten Entwürfen, wurden vor allem die Begrifflichkeiten geschärft und inhaltliche Klarstellung getroffen. Dies hat beispielsweise dazu geführt, dass sich die Bezeichnung der Grundsätze in der deutschen Übersetzung leicht verändert hat. Im Rahmen der Konsultation hatten Institute die Möglichkeit, Kommentare zum Entwurf der Leitfäden der EZB für die internen Prozesse zur Beurteilung der Angemessenheit des Kapitals und der Liquidität abzugeben.

Die beiden nicht rechtsverbindlichen Leitfäden finden ab dem 1. Januar 2019 Anwendung und ersetzen die im Januar 2016 veröffentlichten aufsichtlichen Erwartungen. Der Hintergrund war der SSM-Mehrjahresplan für den ICAAP/ILAAP, der Anfang 2017 durch die EZB erstellt wurde. Nach einer sorgfältigen Prüfung wurde festgestellt, dass sich die Ansätze der einzelnen Banken zur Messung und Steuerung der Liquiditätsrisiken erheblich unterscheiden und, dass bei allen Banken Verbesserungsbedarf besteht. Die Leitfäden sollen die Banken bei der Stärkung ihres ICAAP/ILAAP unterstützen. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Leitfäden ist auch nach Anwendung vorgesehen.

Bedeutung von ICAAP/ILAAP

Für die Widerstandsfähigkeit der einzelnen Banken ist eine angemessene Kapital- und Liquiditätsausstattung von zentraler Bedeutung. Die Banken sollten ihre Risiken bewerten und mit Blick auf die Zukunft sicherstellen, dass alle wesentlichen Risiken jederzeit identifiziert, effektiv gesteuert und durch ausreichend Kapital und Liquidität abgesichert werden.

Die Qualitätsprüfung des ICAAP und des ILAAP von Instituten durch die EZB-Bankenaufsicht ist ein wesentlicher Bestandteil des aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP). Die Beurteilung von ICAAP/ILAAP wird vom gemeinsamen Aufsichtsteam jährlich auf den Prüfstand gestellt und fließt in die Bewertung aller SREP-Elemente ein. Dabei soll ein Anreiz für die Banken geschaffen werden ihre Kapital- und Liquiditätsausstattung zu verbessern.

In der finalen Konsultation betont die EZB, dass die Darstellungen in den Leitfäden lediglich als Ausgangsbasis für den aufsichtlichen Dialog mit den Kreditinstituten verstanden werden dürfen und damit auch keine umfassende und abschließende Betrachtung sämtlicher Aspekte in ICAAP und ILAAP darstellen können. Die Umsetzung liegt in der Verantwortung der Institute, die den Grundsatz der Proportionalität nicht zu Lasten der Wirksamkeit des ICAAPs bzw. des ILAAPs auslegen dürfen.

Nachfolgend werden die wesentlichen Konkretisierungen und Ergänzungen in den Grundsätzen für ILAAP dargestellt.

Grundsatz 1 – Solide Governance des ILAAP wird durch das Leitungsorgan verantwortet

Die Governance-Struktur soll u. a. durch die Dokumentationsanforderungen hervorgehoben werden. Das Leitungsorgan hat eine Aufsichts- und eine Leitungsfunktion. Welche Funktion die Kernelemente genehmigt, ist von den Governance-Regeln des Instituts abhängig. Außerdem wurde ergänzt, dass die Institute über angemessene Leitlinien und Verfahren zur internen Überprüfung und Validierung verfügen müssen. So soll im Rahmen eines „Backtesting“ überprüft werden, ob die internen Prozesse sowie die gewählten Methoden und Annahmen zu soliden Ergebnissen geführt haben. Die EZB erläutert, dass die Überprüfung des ILAAP je nach Art des überprüften Aspekts qualitativ als auch quantitativ erfolgen kann. Die Ergebnisse dieser Überprüfung sollen sorgfältig ausgewertet, dokumentiert und dem Leitungsorgan vorgelegt werden.

Grundsatz 2 – ILAAP als Bestandteil des Gesamtsteuerungsrahmens

Es wird verdeutlicht, dass der ILAAP ein integraler Bestandteil der Risikomanagement- und Entscheidungsprozesse ist. Die Ergebnisse des ILAAP sind mindestens vierteljährlich in die Managementberichterstattung einzubeziehen. Außerdem wird in diesem Grundsatz auf die Konsistenz und Kohärenz zwischen ILAAP und den Sanierungsplänen verwiesen. Dies wird durch die Einbindung des ICAAP in die „Gesamtarchitektur“ sowie die natürliche Verbindung zwischen ILAAP und Sanierungsplan hervorgehoben, die sich in der Arbeitsweise des Instituts sowie der Dokumentation widerspiegeln soll. Alle Elemente sollen Teil desselben Risikomanagementrahmens sein und damit z. B. Schwellenwerte, Frühwarnsystem und Indikatoren untereinander und mit dem Sanierungsplan abgestimmt sein. Die im Sanierungsplan festgelegten Schwellenwerte für Liquiditätsindikatoren sollen stets um eine ordentliche Sicherheitsmarge übertroffen werden.

Grundsatz 3 – Fortbestand der Institute durch Sicherstellung der Angemessenheit ihrer Liquiditätsausstattung aus verschiedenen Perspektiven

In der normativen Perspektive sollen alle regulatorischen und aufsichtlichen Liquiditätsanforderungen und Vorgaben sowie sonstigen externen finanziellen Zwängen mittelfristig stets Rechnung tragen. Grundannahme sowohl der normativen als auch der ökonomischen Perspektive ist die Fortführung des Instituts. Für den Liquiditäts- und Refinanzierungsplan (ILAAP) soll für die normative interne Perspektive eine Planung mindestens für die nächsten drei Jahre erarbeitet werden. Dabei sollen alle relevanten Informationen aus den ökonomischen Perspektiven, die sich in der Liquiditätsplanung niederschlagen, Berücksichtigung finden.

Grundsatz 4 – Alle wesentlichen Risiken werden im ILAAP identifiziert und berücksichtigt

Für den ILAAP wird präzisiert, dass das Risikoinventar bzw. das Risikouniversum in der Verantwortung der Institute liegt und damit die Darstellung in dem Leitfaden nicht abschließend ist. Die regelmäßige Erstellung einer Risikoinventur, mindestens jährlich, ist eine Voraussetzung zur Identifizierung aller Liquiditätsrisiken. Eigene Festlegung der wesentlichen Risiken bzw. Risikotreiber soll zur Analyse der Risikoquellen dienen.

Grundsatz 5 – Die internen Liquiditätspuffer sind von hoher Qualität und klar definiert; die stabilen internen Refinanzierungsquellen sind klar definiert

Für den ILAAP wird betont, dass der Liquiditätspuffer von hoher Qualität sowie eindeutig definiert ist, dabei liegt die Betonung auf einer umsichtig und konservativ ermittelten Liquiditätsausstattung.

Grundsatz 6 – Die Risikoquantifizierungsmethoden im ILAAP sind angemessen, konsistent und werden unabhängig validiert

Der Grad der Konservativität muss erhöht werden, sofern Unsicherheiten in den Risikoquantifizierungsmethoden vorliegen. Zusätzlich wird die „unabhängige interne Validierung“ konkretisiert. Es bedeutet nicht, dass die Validierung selbst durch das Institut durchgeführt werden muss, sondern dass die Verantwortung für die Durchführung und die Ergebnisse bei der Bank verbleibt. Insgesamt soll die Risikoquantifizierung für ILAAP konservativ sein.

Grundsatz 7 – Regelmäßige Stresstests sollen die Angemessenheit der Liquiditätsausstattung unter adversen Bedingungen sicherstellen

Institute sollen ihren wesentlichen Anfälligkeiten bei der Festlegung der Stresstest-Szenarien Rechnung tragen und den Schwerpunkt auf die Bereiche mit größten Anfälligkeiten setzen. Für den ILAAP wird nun ausgeführt, dass die normative Perspektive im Stresstestprogramm z. B. dadurch abgedeckt wird, dass die Auswirkungen der jeweiligen Stresstestergebnisse auf die Entwicklung der aufsichtsrechtlichen Quoten (z. B. die LCR) analysiert werden.

Kritik

Im Vergleich zum Entwurf wurden zahlreiche hilfreiche Ergänzungen eingearbeitet. Dabei bleibt die EZB in weiten Teilen bei der allgemeinen und übergreifenden Darstellung ihrer Ziele und Forderungen. Ein gewisser Ermessensspielraum steht den Instituten zur Verfügung, andererseits bleibt eine gewisse Unsicherheit im Hinblick auf die Erfüllung der Erwartungen der Aufsicht.

Sollten Sie nähere Informationen wünschen oder weitere Fragen haben, stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.