Kontakt

IFRS 9 – Plan B: Vorgehen bei Problemen in der fristgerechten IFRS 9 Umsetzung

Financial Services -

Ab dem 01.01.2018 ist der IFRS 9 bei der Abschlusserstellung zu berücksichtigen. Auch Institute, die keinen Quartalsabschluss veröffentlichen, werden im Rahmen der FINREP Pflicht einen ersten IFRS 9 Abschluss zum 31.03.2018 erstellen und bis zum 11.05.2018 an die Aufsicht übermitteln müssen. Inzwischen sind die meisten IFRS 9 Projekte in der Umsetzungsphase und einige Institute planen demnächst die Parallel-Phase zu starten. Leider sind nicht alle Projekte in allen Teilbereichen soweit und bei dem einen oder anderen wird aus unterschiedlichen Gründen das Zeitpolster eng oder es ist ungewiss, welche Hindernisse noch im Rahmen der Testphase auftauchen werden. Da eine Verschiebung der Erstanwendung von IFRS 9 keine Option ist, stellt sich im ersten Schritt die Frage, ob Alternativen erarbeitet werden müssen und vor allem wann der richtige Zeitpunkt dafür ist. Desweiteren sollte man sich fragen, wann die Entscheidung zu treffen ist bzw. ob die Alternativen in Betracht gezogen werden sollen.

Für das Problem, wie das Alternativvorgehen zur eigentlichen Planung gelöst werden soll, gibt es leider keinen allgemeingültigen Lösungsansatz, da die Situation bei jedem Institut und jedem Projekt individuell ist und neben dem Projektstand auch stark von der bestehenden und geplanten technischen Infrastruktur abhängig ist. Generisch lässt sich jedoch festhalten, dass aufgrund der Kritikalität der IFRS 9 Umsetzung laufend mögliche Risiken überwacht werden sollten und rechtzeitig begonnen werden sollte, mögliche Alternativlösungen zu erarbeiten. Hierbei ist es wichtig, dass

  • die Identifizierung von möglichen projekt- bzw. abschlusskritischen Risiken frühzeitig erfolgt und laufend erneuert wird.
  • die Risiken realistisch eingeschätzt werden und nicht aus einer zu optimistischen Sicht heraus der rechtzeitige Einstieg in die Erarbeitung von Alternativen versäumt wird.
  • die Erarbeitung von Alternativen nicht zu einer Reduktion oder Einstellung der originären Aktivitäten führt – das heißt, für die Erarbeitung und den Betrieb der Alternativen zusätzliche Ressourcen bereitgestellt werden.
  • Alternativansätze ebenfalls einer sauberen Konzeption und einem Test unterzogen werden und entsprechend rechtzeitig mit der Erarbeitung begonnen wird – auch auf die Gefahr hin, dass sie eventuell danach doch nicht benötigt werden.
  • der Rückbau des Workarounds bzw. die Umstellung auf das eigentliche Zielvorgehen, nach erfolgreicher Umsetzung des ursprünglichen Zielbilds, ebenfalls mit eingeplant wird.

 

Wie oben beschrieben, ist es leider nicht möglich ein generisches und allgemeingültiges Alternativvorgehen zu entwickeln, da dieses jeweils institutsspezifisch ist. Es gibt jedoch einige generische Anforderungen, die bei der Entwicklung der Alternativen berücksichtigt werden sollten:

  • Qualitätsanforderung: Jede Alternative muss fachlich und quantitativ eine hinreichende Qualität aufweisen, so dass die Anwendung per se nicht das Testat gefährdet. Das heißt nicht, dass die Alternative den gleichen qualitativen Stand haben muss wie die eigentlich geplante Umsetzung, aber sie sollte zumindest sicher stellen, dass dem Adressaten durch die Anwendung nicht wesentliche entscheidungsrelevante Informationen vorenthalten werden. In diesem Zusammenhang kann es Sinn machen, den Wirtschaftsprüfer rechtzeitig mit einzubeziehen und vor der eigentlichen Umsetzung eine Abstimmung zu erzielen.
  • Nachvollziehbarkeit/Audit Trail: Auch ein Vorgehen, das grundsätzlich qualitativ hochwertige Ergebnisse liefert, muss im Endeffekt prüfbar sein. Diese Anforderung ergibt sich natürlich zum einen aus der Prüfungsanforderung des Wirtschaftsprüfers, zum anderen aber auch aus der Anforderung des Erstellers, inhaltliche Plausibilitäts- und Vollständigkeitskontrollen vornehmen und die Ergebnisse nachher auch intern erläutern zu können.
  • Ressourceneffizienz: Auch wenn Kosten sicherlich nicht zu ignorieren sind, spielt hier noch stärker mit rein, dass eine Lösung mit den verfügbaren Ressourcen – und auch qualifizierte externe Ressourcen sind (kurzfristig) nicht unbegrenzt verfügbar – in der gegebenen Zeit zu Ergebnissen führt, ohne dass gleichzeitig an anderer entscheidender Stelle Engpässe entstehen.

Darüber hinaus lassen sich jedoch bei aller Individualität der Ausgangslage klassische Themenfelder, die aufgrund ihrer Komplexität und Bedeutung für den Abschluss regelmäßig erfolgskritisch sind, nennen. Natürlich kann diese Auflistung niemals vollumfänglich und abschließend sein:

  • Berechnung der Impairmentbeträge: Hier sind klassischerweise drei Arten von Problemen zu nennen. Zum einen kann es sein, dass das geplante Tool – egal ob eigenentwickelt oder eingekauft – nicht wie geplant funktioniert. Es wäre zu prüfen, ob und wie ggf. andere Tools als Interimslösung in Frage kommen. Dabei ist jedoch auch die entsprechende Anbindung an die Inputdaten zu berücksichtigen. Diese stellen nämlich oft die zweite und dritte Art von Problem dar – die benötigten Daten liegen entweder nicht vor oder werden über die geplante Lieferstrecke nicht verlässlich bereitgestellt. Hier sollte kritisch geprüft werden, inwieweit entweder eine manuelle Zulieferung erfolgen kann bzw. ob es möglich ist, Datenlücken über Näherungsverfahren und Schätzungen zu füllen.
  • Fair Value Berechnung: Mit der Umstellung der Kategorisierung verändert sich für die meisten Institute der relevante Bestand von Finanzinstrumenten, die in der Bilanz zum Fair Value bilanziert werden müssen. Auch hier besteht das Risiko, dass die Bewertungstools nicht fehlerfrei laufen oder, dass relevante Parameter und Konditionsdaten nicht zur Verfügung stehen. Ebenso wie die Problemstellung der des Impairment gleicht, sind auch die Lösungsansätze ähnlich gestaltet. Neben dem Einsatz von weiteren Tools, der manuellen Datenbelieferung und der Datenanreicherung durch Schätzung, ist gegebenenfalls auch zu prüfen ob fehlende Konditionsdaten von Nebenabreden am Einzelgeschäft nicht auch über mehrere Einzelgeschäfte hinweg als synthetisches Poolgeschäft abgebildet werden können.
  • End-to-end Datenfluss/Reporting: Neben den oben beschriebenen Fragen der Wertermittlung, entsteht häufig – z. B. auch bei Einsatz von Workarounds an einer anderen Stelle – das Problem, dass der End-to-end Datenfluss und damit das Reporting nicht sauber funktionieren. Hierfür ist zu prüfen, ob die Lücken über einen eigenen Workaround überbrückt werden können. Falls dies nicht möglich ist, besteht ggf. die Lösung darin, die IAS 39 Lösung weiter zu betreiben und mit Hilfe von Einzelextraktionen der Bewertungen auch für den ersten Berichtstichtag zur Abschlusserstellung den IAS 39 Abschluss auf IFRS 9 überzuleiten.

Die oben beschriebenen Ansätze richten sich alle daran aus, dass die fachliche Konzeption richtig und vollständig erfolgt ist, aber natürlich können auch vorher nicht abgestimmte Lösungen oder Lösungen, die sich aufgrund der Weiterentwicklung der Standardauslegung zerschlagen, zu Projektrisiken führen. Diese sind dann ebenfalls individuell zu lösen und führen ggf. dazu, dass auch hier entsprechende Übergangslösungen zu entwickeln sind.

Allen Instituten, die von der Notwendigkeit von Alternativlösungen betroffen sind, sei zumindest insofern Trost zugesprochen, als dass auch die Institute, die hierauf verzichten können sicherlich nach dem 01.01.2018 noch mit Nacharbeiten und Optimierungen von IFRS 9 beschäftigt sein werden.

Die FAS AG ist derzeit in diverse IFRS 9 Projekte involviert und verfügt darüber hinaus aus verschiedenen IFRS Umstellungsprojekten über umfangreiche Erfahrung, IFRS Abschlüsse ohne (vollständige) technische Unterstützung zu erstellen. Gerne unterstützen wir Sie bei der Entwicklung und dem Betrieb von Workarounds im Rahmen der IFRS 9 Umstellung.