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Kleider machen Leute…

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Jetzt ist es schon wieder passiert! Heute kam erneut ein Bewerber ohne Krawatte zum Vorstellungsgespräch. Der zweite innerhalb von zwei Wochen. Im ersten Schritt fand ich es irritierend, schon fast respektlos, im zweiten Schritt eigentlich gar nicht mehr so schlimm. Vielleicht lohnt es sich, ein bisschen mehr darüber nachzudenken.

Die Krawatte ist nach Wikipedia ein „längliches Stück Stoff, das um den Hals, mit einem Krawattenknoten gebunden, zu einem Hemd getragen wird“ und entstammt – wie so manches – militärischen Uniformen. Sie wird in der Regel zu Anzügen getragen und derjenige hebt sich damit von der Masse der Schlipslosen durch seine Krawatte positiv ab. So zumindest die landläufige Meinung.

Inzwischen ist allerdings eine Abkehr von der Krawatte zu beobachten. Im Bundestag wurde die Krawattenpflicht für den Schriftführer im Jahr 2014 abgeschafft und die aktuelle griechische Regierung verzichtet ebenfalls auf die Krawatte – gleichwohl letztere offensichtlich nicht als Vorbild dienen sollte. Aber auch immer mehr Leute in Start-Up-Unternehmen oder in der Finanzbranche legen die Krawatte beiseite. Damit wird ein Zeichen gesetzt, dass man es gar nicht nötig hat, sich eine Krawatte umzubinden oder einen Anzug zu tragen, da man sein Können durch Taten und nicht durch Äußeres beweist. Es ist also fast schon ein Machtbeweis, seinem (krawattentragenden) Gegenüber zu zeigen, dass man es schlichtweg nicht nötig hat, sich den Schlips anzuziehen. Allerdings ist es eben auch ein Zeichen, dass es momentan wirtschaftlich sehr gut läuft und damit (wie immer in der Historie) der Kleidungsstil nachlässiger wird. Wir werden sehen, wie sich die Quote der Krawattenträger in der nächsten Krise entwickelt.

Dies führt mich jetzt zum Bewerber bzw. zum Thema Dresscode. Lieber overdressed, als underdressed – so die eiserne Regel. Lieber zu chic, als zu schlampig. Lieber etwas ablegen können, als etwas nicht dabei haben. Daher meine Empfehlung: Ziehen Sie zum Vorstellungsgespräch auf jeden Fall eine Krawatte an. Sie wollen doch zeigen was Sie alles können, nicht nur vom Wissen, auch vom Auftreten und Ihrem äußeren Erscheinungsbild. In der Beratung ist es eben schlichtweg üblich, mit Anzug und Krawatte beim Mandanten zu erscheinen, wenngleich es natürlich auch hier besondere Mandanten gibt wie in Tech- oder Sportartikelunternehmen. Diese Empfehlung sollte aber nicht nur für das Vorstellungsgespräch gelten. Generell empfiehlt es sich als Berufseinsteiger, aber auch für alle anderen, sich mit den üblichen Dresscodes vertraut zu machen. Dies beugt peinlichen Momenten vor und man kann sich sicher auf dem gesellschaftlichen Parkett bewegen. Kleider machen eben doch Leute und der erste (äußere) Eindruck zählt noch immer.

Abschließend seien mir noch zwei ergänzende Anmerkungen zum Thema Krawatten erlaubt: Erstens, die Krawatte sollte maximal bis zum Hosenbund bzw. Gürtel reichen – angeblich heutzutage auch eine Handbreit kürzer. Klappt es nicht beim ersten oder zweiten Mal mit dem Binden der Krawatte, dann muss es eben ein drittes Mal sein. Zweitens sollte aus meiner Sicht alles was mit "klippen" zu tun hat bei Krawatten vermieden werden. Hierunter fallen Ansteckkrawatten, Krawattenklammern und auch -nadeln. Und nur weil es mich amüsiert: Clip-On-Ties werden angeblich insbesondere von Polizisten und Schalterbeamten getragen, die sich zum Beispiel aggressiven Kunden ausgesetzt sehen. Sollten Sie zu dieser Berufsgruppe gehören, ist es natürlich verzeihlich.

In diesem Sinne, bleiben Sie chic und zeigen Sie auch äußerlich was Sie können!

Bis bald

Ihr

Ingo Weber