Kontakt

Offenlegung nach Säule 3 – Anwendungsbereich und Überblick

Financial Services -

Das Baseler Committee hat im Januar 2015 einen neuen Standard für die aufsichtsrechtliche Offenlegung veröffentlicht, den BCBS 309: Revised Pillar 3 disclosure requirements (hier einzusehen). Ziel der Überarbeitung war es, die Vergleichbarkeit im Rahmen der Offenlegung zu erhöhen. Die Umsetzung in nationales Recht war ursprünglich so vorgesehen, dass Kreditinstitute spätestens mit dem Abschluss 2016 die Vorgaben für den neuen Offenlegungsbericht anwenden sollten. Am 14. Dezember 2016 hat die EBA nun eine Guideline zur Offenlegung erlassen, die – soweit möglich – die Vorgaben des BCBS 309 umsetzen soll. Die Guideline ist als Präzisierung der Vorgaben aus Teil 8 der CRR zu verstehen. Vorgaben des BCBS 309, die Teil 8 der CRR wiedersprechen, sind folglich nicht mit der Richtlinie umgesetzt worden. Dafür wurden neben den Vorgaben des BCBS 309 auch weitere Anforderungen, die bereits heute durch die EBA bestanden, aufgenommen. Auch wenn die CRR grundsätzlich für alle Kreditinstitute gilt, wurde der Anwendungsbereich der Guideline und damit die Umsetzungspflicht auf Global systemrelevante Institute (G-SIIs) und andere systemrelevante Institute (O-SIIs) begrenzt. Die Guideline tritt – abweichend zu den Vorgaben des BCBS 309 - zum 31.12.2017 in Kraft und ist somit erstmalig für die Abschlüsse zum Geschäftsjahr 2017 anzuwenden. Anderen Instituten ist bis zur Änderung der CRR die Anwendung freigestellt – die explizit in der CRR geforderten Offenlegungspflichten oder die durch andere Guidelines geforderten Offenlegungspflichten bleiben hiervon natürlich unberührt.

Neben der inhaltlichen Darstellung der Anforderung an die Offenlegung enthält die Guideline ein Set von 10 Tabellen mit flexiblem Format zur Darstellung von Risiken und qualitativen Informationen sowie ein Set von 38 Templates, die für die Offenlegung von Kapitalanforderungen und Risikoaktiva grundsätzlich ein fixes Format enthalten.

Für alle Tabellen und Templates wird jeweils ein Veröffentlichungsturnus zwischen jährlich und quartalsweise definiert. Darüber hinaus wird festgelegt, dass der Offenlegungsbericht grundsätzlich den gleichen internen Qualitätsansprüchen und Kontrollschritten unterliegt wie der Lagebericht.

Die Veröffentlichung des Offenlegungsberichts, hat grundsätzlich in einem zusammenhängenden eigenen Dokument zu erfolgen. Diese Anforderung ist auch dann als erfüllt zu betrachten, wenn es sich hierbei um einen separaten Abschnitt im Geschäftsbericht handelt, der für den Leser eindeutig erkennbar ist. In Ausnahmefällen sind Verweise auf andere Dokumente zulässig, wenn klar und umfassend dargestellt wird, wo die relevante Angabe gemacht wurde.

Als Grundprinzipien der Offenlegung werden die folgenden Punkte definiert und näher erläutert:

  • Klarheit
  • Aussagekraft
  • Konsistenz über die Zeit
  • Vergleichbarkeit zwischen Instituten

Der neue Offenlegungsbericht wird neben dem klassischen Fokus auf die Berichterstattung von Risikogrößen auch einen verstärkten Bezug zur Bilanzierung herstellen, da zukünftig nicht nur die Überleitung vom bilanziellen auf das regulatorische Eigenkapital notwendig sein wird, sondern auch eine Überleitung der Bilanzwerte auf die RWA Werte bzw. eine Zuordnung der Bilanzwerte zu den einzelnen Risikoarten. Zwar sollte diese Information grundsätzlich vorliegen, da in der Regel die Buchwerte die Ausgangsgröße für die regulatorischen Exposure Values darstellen, es ist jedoch nicht immer sichergestellt, dass auch Informationen wie die Bilanzposition etc. mit den regulatorischen Werten verknüpft sind.

Um dem Ersteller die Arbeit zu erleichtern und zu anderen Meldungen möglichst konsistent zu bleiben, hat sich die EBA an bestehenden Vorgaben für das COREP und FINREP Reporting orientiert. Gerade die Orientierung bei den bilanzbezogenen Angaben und Überleitungen an FINREP ist zwar grundsätzlich wünschenswert, wird jedoch dazu führen, dass nach der Veröffentlichung zum Stichtag 31.12.2017 erneut die Tabellen umgestellt werden müssen, da ab dem 01.01.2018 IFRS 9 anzuwenden ist und erstmalig für den 31.03.2018 dann auch das FINREP Reporting auf Basis des neuen IFRS 9 Templates erstellt werden muss. Ähnlich wird es mit den aus BASEL IV resultierenden Änderungen der COREP Templates sein. Mit einem über die nächsten Jahre statischen Format ist somit nicht zu rechnen.

Wichtige Arbeitsschritte bei der Umsetzung der neuen Anforderungen sind:

  • Fachliche Entscheidung über die Ausgestaltung der in den Tabellen geforderten Angaben zu der bei den Templates bestehenden Flexibilität.
  • Definition der Datenherkunft für alle regelmäßigen Angaben und Aufsetzen von entsprechenden Prozessen für die zeitnahe Bereitstellung.
  • Definition von Standardtextbausteinen und generellem Aufbau des Offenlegungsberichts für alle Stichtage.
  • Verteilung der Verantwortlichkeiten im Rahmen des Erstellungsprozesses und Terminplan in Übereinstimmung mit der Abschluss- und Meldeplanung.

Derzeit arbeiten wir an einem detaillierten Leitfaden für die Befüllung der einzelnen Tabellen und Templates und werden Ihnen über die Fertigstellung im Rahmen dieses Newsletters berichten. Die FAS AG unterstützt Banken sowohl bei der fachlichen Konzeption von Offenlegungsberichten, als auch bei der Definition von Prozessen und Datenquellen, um den Offenlegungspflichten effizient nachzukommen.