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Vorsicht, Sputnik!

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Alles ist eitel Sonnenschein. Die Geschäfte laufen stabil bis gut, die Stimmung in der Belegschaft ist prima, kein unnötiger Stress und nur kein überzogener Druck oder gar unschöne Hektik.

Klar, an der ein oder anderen Stelle läuft es nicht ganz rund, aber das wird sich schon geben. So lange es in Summe passt und in der Kasse genügend Geld vorhanden ist. Kundenfeedback vom Markt ist super, wir bekommen regelmäßig Anfragen, die werden früher oder später schon zu Aufträgen werden. Und warum sollte man die Extrameile gehen, wenn auch die normale Strecke ausreicht?

Und dann? Krack! Ein lang erwarteter Großauftrag kommt doch nicht und teure Kapazitäten laufen leer. Ein Schadenfall bei einem wesentlichen Kunden und es gibt Rückfragen aus dem Markt. Eine sicher geglaubte, langfristige Finanzierung scheitert an einem Wechsel des zuständigen Ansprechpartners der Bank und die Kasse ist doch nicht voll genug. Zu allem Überfluss wird ein langjähriger, erfahrener Abteilungsleiter von der Konkurrenz abgeworben und macht sich an unsere Kunden ran.

Jetzt beginnt es. Hektik, Druck, Stress. Warum generiert der Vertrieb nicht mehr Aufträge, hängt nicht Tag und Nacht am Telefon oder ist beim Kunden vor Ort? Da muss doch mehr gehen! Schnell noch bei allen Bestands- und potenziellen Kunden anrufen, um diese zu besänftigen. Alles nicht so schlimm und entschuldigen Sie, dass wir uns so lange nicht mehr gemeldet haben. Welche Finanzierungspartner und -formen könnte es denn noch geben, nach dem unsere einzige Bank abgesprungen ist? Warum liegt hierfür noch kein vernünftiger Business Plan vor? Wir müssen uns auch noch dringend um die Mitarbeiter des abtrünnigen Abteilungsleiters kümmern, sonst sind diese auch weg. Und warum gab es für ihn eigentlich keinen Stellvertreter?

Kennen Sie, oder?

„Sputnik-Moment“ nennt man dies – in Anlehnung an den Schock in den USA, als in den fünfziger Jahren die Sowjets als erste einen Satelliten in die Umlaufbahn brachten und im Rennen um das All eine führende Position einnahmen. Es bezeichnet ein Ereignis, das alle wachrüttelt und dazu dient, lange aufgestaute und teilweise auch bekannte Probleme anzugehen. Denn leider ist es häufig so, dass kritische Themen bekannt sind, aber aus verschiedensten Gründen (die Bequemlichkeit der Komfortzone lässt grüßen!) nicht angegangen werden.

Die Frage ist dann häufig: „Wie groß muss der Weckruf sein?“. Dies hängt sicherlich von der Risikosensibilität des Systems bzw. der Beteiligten ab. Die Sensibelchen im System registrieren schon den geringsten Ausschlag, die kleinste Zuckung, um die Ampeln auf gelb springen zu lassen. Die eher Robusteren benötigen dann schon einen heftigeren Stupser oder Schlag, um aufgerüttelt zu werden. Hier sind die Ampeln dann schon eher kurz vor rot. Dies klingt zwar auf den ersten Blick negativ, hat aber den Vorteil, dass die rustikalere Fraktion nicht sofort in Panik verfällt, sollte sich die Situation nur etwas verschlechtern. Ein dezidiertes Risikomanagementsystem, welches alle Risiken strukturiert erfasst und bewertet hilft hierbei bei der Steuerung und Entscheidungsfindung.

In diesem Sinne, warten Sie nicht auf den Sputnik im Orbit, sondern achten Sie auf (negative) Veränderungen und haben Sie ihr Risikomanagementsystem im Griff!

Bis bald

Ihr

Ingo Weber