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Stresstest – Beurteilung der Risikolage von Kreditinstituten

Im Rahmen des SREPs (Supervisory Review and Evaluation Process) beurteilt die europäische Bankenaufsicht fortlaufend die Risikolage der beaufsichtigten Institute und gibt – sofern erforderlich – Maßnahmen zur Risikomitigierung vor, die von betroffenen Kreditinstituten entsprechend umzusetzen sind. Zur Unterstützung des SREPs führt die Bankenaufsicht regelmäßig Stresstests durch, um die Stabilität der Kreditinstitute in bestimmten Krisenszenarien zu untersuchen. Im Fokus steht dabei die Fähigkeit der Institute, in einem ungünstigen makroökonomischen Umfeld Schocks abzufedern und die Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen. 

Stresstests durch die EZB

2014, 2016, 2017 und 2018 haben Stresstests durch die EBA und EZB stattgefunden. Der Test 2018 beruht erstmalig auf der Basis von IFRS 9 Daten. Der Test umfasst im Krisenszenario einen Rückgang von Wirtschaftsleistung und Preisniveau, einen Einbruch der Immobilienmärkte und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Insgesamt sind 37 europäische Kreditinstitute von dem Stresstest betroffen, darunter acht deutsche Banken. Im Jahr 2017 hatte die EZB beim Stresstest vor dem Hintergrund des vorherrschenden Niedrigzinsumfeldes einen Fokus auf die Zinsänderungsrisiken im Bankbuch gesetzt. An diesem Test nahmen insgesamt 111 Kreditinstitute teil. Neben den primär vom EBA-Stresstest betroffenen Kreditinstituten sind jedoch in der Praxis auch die anderen Institute betroffen, da in der Praxis regelmäßig vergleichbare Szenarien und Vorgaben im Rahmen des SREPs und ICAAPs von allen Instituten gefordert werden.

Durchführung des aktuellen Stresstestes 2018-2020

Der EU-weite Stresstest 2018 wurde durch die EBA in Zusammenarbeit mit dem ESRB (European Systemic Risk Board) entwickelt. Er umfasst 28 Templates zur Datenerfassung, Berechnung und Validierung und 10 Templates zur Veröffentlichung der Ergebnisse auf Institutsgruppenebene. Startpunkt sind die Werte zum 31. Dezember 2017 (beziehungsweise 1. Januar 2018). Von diesem Startpunkt aus werden ein Basisszenario und ein negatives Szenario über drei Perioden (2018-2020) projiziert. Grundlage für den gesamten Zeitraum ist das jeweils zum 1. Januar 2018 geltende Accounting Set. Damit sind die finanziellen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten nach den Maßgaben des IFRS 9 zu bewerten und zu bilanzieren. Weitere Änderungen der Bilanzierungsstandards sind darüber hinaus nicht zu berücksichtigen. Für historische Werte bis 2017 ist es ausreichend, die für diesen Zeitraum geltenden Bilanzwerte zu verwenden, soweit kein Restatement der Werte erfolgte.
Sowohl das Basisszenario, als auch das adverse Szenario sind unter der Annahme einer konstanten Bilanz zu ermitteln. Das bedeutet, dass auslaufende Geschäfte durch Geschäfte zu ersetzten sind, die jeweils eine gleiche Restlaufzeit (bezogen auf den 1. Januar 2018 des auslaufenden Geschäftes) und die gleiche Kreditqualität (bezogen auf den Fälligkeitstag des auslaufenden Geschäftes) aufweisen.
Auswirkungen werden auf Basis des CET1-Kapitals, der Tier 1-Kapitalquote sowie der Gesamtkapitalquote für jede der drei Perioden, sowohl „fully loaded“ (also nach vollständiger Implementierung der Basel III-Kapitalvorgaben) als auch „transitional“ (also den in der Übergangszeit geltenden Kapitalanforderungen) berichtet. Über die Vorgaben der CRR hinaus werden keine Mindestschwellen beziehungsweise weitergehende Kapitalquoten definiert. Die Ergebnisse sind jedoch als Inputgrößen im Rahmen des SREP-Prozesses zu berücksichtigen.

Grundsätzliche Herausforderungen bei Stresstests

In der praktischen Umsetzung von Stresstest ergeben sich regelmäßig die folgenden Herausforderungen:

  • Bereitstellung der Ist-Daten als Ausgangsbasis für die weitere Verarbeitung inklusive gegebenenfalls der Eliminierung von bereits enthaltenen zukunftsorientierten Bewertungen 
  • Modellierung des Geschäftsvolumens beziehungsweise der Geschäftsstruktur über die Laufzeit in Abhängigkeit von den Vorgaben
  • Anwendung der Stressszenarien auf Geschäftsbestand und Ermittlung der Effekte auf Ergebnis und Kapital

Unterstützung der FAS AG im Rahmen von aufsichtsrechtlichen Stresstests

Die FAS AG unterstützt Kreditinstitute bei der Planung und Durchführung von Stresstests. In der Phase der Definition von Methoden und Tools analysieren wir die Vorgaben der Aufsicht und identifizieren sowie definieren Zuständigkeiten und Lieferwege in den Banken. Im Zuge der Datenerhebung werden die erforderlichen Startwerte aus dem vorhandenen Reporting ermittelt. Hier nutzen wir die umfangreichen Erfahrungen mit IFRS 9  und FINREP, um bestehende Datengrundlagen konsistent als Ausgangsbasis für den Stresstest nutzbar zu machen. Darüber hinaus unterstützt die FAS AG bei der Projektion der Szenarien und bei der bankinternen Validierung der ermittelten Stresstest-Ergebnisse.

Bei Interesse und für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Ansprechpartner
 Andreas Huthmann Managing Partner