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Marktrisikoermittlung

Neben Kreditrisiken beziehungsweise Adressrisiken sowie operationellen Risiken sind auch Marktrisiken nach Maßgabe der CRR  (Verordnung Nr. 575/2013) mit Eigenmitteln zu unterlegen. Marktrisiken umfassen Fremdwährungsrisiken und Rohstoffpreisrisiken zins- und aktienkursbezogener Risiken eines Finanzinstitutes.

Für jede dieser Marktrisikoarten stellt die CRR Standardverfahren zur Verfügung, um den Grad der Eigenmittelanforderungen zu ermitteln. Als Alternative zu den Standardverfahren darf ein Institut, nach vorheriger Genehmigung der Aufsicht, auch interne Risikomodelle einsetzen.

Im Zuge der Finanzmarktkrise zeigten sich jedoch Schwächen im Rahmen der Eigenkapitalunterlegung von Handelsportfolien. Die Marktpreisrisikomodelle verkannten das Gesamtrisikopotential, das aus Handelsgeschäften herrührte.  So berücksichtigen die meisten Value at Risk-Modelle nicht ausreichend das Kreditrisiko, unterschätzten die Wahrscheinlichkeit extremer Szenarien oder vernachlässigten die Gefahr liquider Märkte. Diese Merkmale führten zu einer starken Unterkapitalisierung des gesamten Bankensystems während der Finanzmarktkrise.

Im Rahmen des Papiers „Minimum capital requirements for market risk“ (BCBS 352) vom Basler Komitee für Bankenaufsicht von Januar 2016 werden diese Mängel aufgegriffen. Neben der Abgrenzung von Geschäften zwischen dem Anlage- und dem Handelsbuch geht das Papier insbesondere auf die Messung und Steuerung von Marktpreisrisiken anhand eines Standardansatzes und der Eigenkapitalunterlegung dieser Marktpreisrisiken über interne Modelle ein.

Der überarbeitete Standardansatz zur Quantifizierung des Marktrisikos

Der Ansatz zur Quantifizierung des Marktrisikos wurde im Rahmen des Papiers insofern überarbeitet, dass sich die Mindesteigenkapitalanforderung für das Marktrisiko nunmehr aus drei Komponenten zusammensetzen:

  • Sensitivitätenbasierte Methode: Erweiterung des Gerüstes zur Quantifizierung des Marktrisikos durch die stärkere Berücksichtigung von Sensitivitäten. Hierbei wird für jedes Finanzinstrument in Abhängigkeit der jeweiligen Risikoklasse die von der Aufsicht vorgegebene Delta-, Vega- und/oder Curvature-Risikosensitivität unter der Annahme unterschiedlicher Szenarien verwendet.
  • Standardisierter Puffer für das Ausfallrisiko: Dieser Puffer berücksichtigt das so genannte Jump-to-Default-Risiko, das heißt der Verlust, der entstünde, wenn die Gegenpartei tatsächlich ausfällt. Dieser Puffer wurde eingeführt, um Divergenzen bei der Eigenmittelberechnung für das Kreditrisiko bei Anlage- und Handelsbuchgeschäften zu beseitigen.
  • Residual Risk Add-on: Dieser pauschale Puffer deckt solche Marktrisiken ab, die durch den Standardansatz nicht erfasst werden können. Würde auch dieser Faktor explizit modelliert werden, wäre der Komplexitätsgrad des Ansatzes wesentlich höher, weswegen man sich dieses pauschalen Faktors bedienen darf

Die überarbeitete interne Modell-Methode

Wie bisher auch, kann das Marktrisiko alternativ bei entsprechender Genehmigung über ein innerhalb des Institutes entwickelten Modells quantifiziert werden. 

Die wesentlichen Änderungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Substitution des VaR und des Stressed-VaR als Risikomaße durch den Expected Shortfall: Der Value at Risk ist weder kohärent noch liefert er Informationen die über ein gegebenes Quantil hinausgehenden Ereignisse beziehungsweise Risiken. Der Expected Shortfall hingegen berücksichtigt auch das Risiko seltener Ereignisse. Für nicht-modellierbare Risiken (NMRF) wird auf Basis des Expected Shortfall für modellierbare Risiken ein gestresster Kapitalaufschlag abgeleitet.
  • Beschränkungen der Effekte durch Hedging/der Portfoliodiversifikation: Solche kapitalreduzierenden Effekte werden nicht mehr vollumfänglich anerkannt. Vielmehr setzt sich gemäß der neuen Regelungen die Kapitalanforderung zusammen aus einem gewogenen Durchschnitt zwischen der Kapitalanforderung, die sich ohne Heding-/Diversifikationseffekt ergeben würde und der Kapitalanforderung inklusive Hedging-/Diversifikationseffekte. 
  • Kontinuierliche statistische Überprüfung der Prognosegüte auf Desk-Ebene: Somit muss das interne Modell in Hinblick auf Risikotreiber, nicht-modellierbare Risiken, Backtesting et cetera exakt auf den Handelstisch zugeschnitten sein. Ein Handelstisch ist dabei definiert als eine Gruppe von Handelsaktivitäten in Bezug auf eine bestimmte Geschäftsstrategie innerhalb eines aktiven Risikomanagementsystems.

Unterstützung der FAS AG bei der Marktrisikoermittlung

Die FAS AG unterstützt Sie und Ihr Unternehmen bei der Analyse Ihres aktuellen Systems zur Messung und Steuerung von Marktpreisrisiken, der Identifikation von Lücken zu den neuen aufsichtlichen Anforderungen, der Konzeption geeigneter Anpassungsmaßnahmen sowie im Rahmen der Umsetzungsbegleitung. 

Bei Interesse und für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

 

Ansprechpartner
 Andreas Huthmann Managing Partner